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Bad Boll – Akademiedirektor veröffentlicht Biografie über Christoph Blumhardt

12.07.2019 11:58 Uhr

Pressemitteilung Evangelische Akademie Bad Boll; Miriam Kaufmann:

Pfarrer, Sozialist, Kurhausbesitzer – Akademiedirektor veröffentlicht Biografie über Christoph Blumhardt

Jörg Hübner, Direktor der Evangelischen Akademie Bad Boll, würdigt das Lebenswerk des württembergischen Pfarrers Christoph Blumhardt (1842–1919) anlässlich zu dessen 100. Todestags (2. August) mit der ersten Biografie über den evangelischen Sozialisten. Anfang Juli ist die Biografie „Christoph Blumhardt. Prediger, Politiker, Pazifist“ in der Evangelischen Verlagsanstalt erschienen.

Bereits als Theologiestudent verband Jörg Hübner Bad Boll mit dem Namen Blumhardt. Als er 2013 dann als neuer Direktor der Evangelischen Akademie Bad Boll von einem bisher nicht zugänglichen Archiv im Besitz der Familie Blumhardt erfuhr, war seine Neugierde geweckt. „Nun musste ich ganz im Sinne der Akademiearbeit eine Biografie über Christoph Blumhardt verfassen“, erklärt der Akademiedirektor.

Die Arbeit an den alten Quellen habe sich für den Erkenntnisgewinn außerordentlich gelohnt. Denn der Theologe Christoph Blumhardt wurde zu seinen Lebzeiten von der Kirche für seine SPD-Mitgliedschaft kritisiert, nachträglich aber als Vorzeigepfarrer verklärt. Einen Wandel, den der Biograf Hübner nach intensiver Studie der Quellen auf eine einseitige Auswahl und Veröffentlichung von Texten durch die Wegbegleiter Blumhardts zurückführt.

Blumhardt bezieht Stellung:
Aber Christoph Blumhardt war alles andere als ein braver Kirchenmann. Er kritisierte den Nationalismus, prangerte den Kolonialismus an und verurteile Kriege aufs Schärfste. Er machte sich für die Rechte der Arbeiter stark, wetterte gegen den Kapitalismus und gegen die Ausbeutung der Natur. Blumhardt sei Zeit seines Lebens und aus voller Überzeugung ein Prediger, Politiker und Pazifist gewesen, der auf bekannte Menschen wie Hermann Hesse, Gottfried Benn oder Karl Barth anregend gewirkt habe. Ein streitbarer Charakter, mit faszinierenden, unterschiedlichen Interessen – sei es „die Verbindung von Frömmigkeit und Engagement, sein ehrlicher politischer Einsatz, sein Optimismus, sein visionäres Denken, sein Glaube an die Kraft des Menschen, seine kritische Auseinandersetzung mit theologischen Traditionen – ich weiß gar nicht, wo ich aufhören soll“, schwärmt Jörg Hübner.

Nach dem Tod des Vaters 1880 übernahm Blumhardt die Leitung des Kurhauses Bad Boll. Er war als Seelsorger und Prediger bekannt und saß sechs Jahre für die SPD im Landtag. Als Sozialethiker hatte sich Hübner auch mit den Herausforderungen des Globalisierungsprozesses auseinandergesetzt und lernte Christoph Blumhardt außerdem als einen Menschen kennen, „der Ende des 19. Jahrhunderts prophetisch die Themen von Ökologie und Gerechtigkeit verbunden hat, auch wenn er darin immer wieder auf enormen Widerstand in seiner Umgebung traf. Er hat die soziale und ökologische Frage wie kaum ein anderer in seiner Zeit erkannt.“ Die Hoffnung auf eine bessere Welt leitete Christoph Blumhardt Zeit seines Lebens.

Blumhardt und die Akademie:
Auch wenn Christoph Blumhardt weit vor der Gründung der Evangelischen Akademie Bad Boll 1945 verstarb, so bestehen für den Biografen und Akademiedirektor Hübner zwischen dem visionären Denken Blumhardts und der Aufgabe der Akademie vielerlei Beziehungen: „Christoph Blumhardt und die Akademie verbindet das Anliegen, die Welt zukunftsfähig zu gestalten. Oder: Der Glaube an den Menschen, an seine Gestaltungskraft und an seine Dialogfähigkeit verbindet die Akademie mit Christoph Blumhardt.“

Und so nimmt die Evangelische Akademie Bad Boll den 100. Todestag Christoph Blumhardts zum Anlass, um ihn mit einer zweitägigen Gedenkfeier zu ehren. „Die Tradition Blumhardts ist nicht vergangene Geschichte, sondern hat Bedeutung für unsere gemeinsame Zukunft“, begründet der Direktor die Feierlichkeiten: „Denn zur Tradition des Ortes gehört Christoph Blumhardt – und in seinem Sinn wollen wir Visionen für eine nachhaltige Welt und Wirtschaft schaffen.“

Gemeinsam mit weiteren Bad Boller Institutionen und darüber hinaus finden vom 2. bis 4. August 2019 verschiedene Veranstaltungen – von Gedenkfeier, Begegnungsabend, Tagung, Fest im Park etc. – statt.

Zur Person
Der gebürtige Krefelder Professor Jörg Hübner (57) ist seit 2013 Geschäftsführender Direktor der Evangelischen Akademie Bad Boll. Er hat in Bonn Theologie und Philosophie studiert, war Gemeindepfarrer in Neuss und lehrt an der Ruhr-Universität Bochum. 2010 ist er zum außerordentlichen Professor berufen worden. Als Mitglied der EKD-Kammer für nachhaltige Entwicklung war er an der Erarbeitung von Positionen der Evangelischen Kirche zu Themen wie Nachhaltigkeit und Globalisierung beteiligt. Er ist Hauptherausgeber des Evangelischen Soziallexikons und Autor einer Vielzahl von Büchern und Aufsätzen zur Finanz- und Weltwirtschaftsethik, im Besonderen zu Fragen der Globalisierung.

Weitere Informationen zu den Feierlichkeiten unter www.ev-akademie-boll.de/akademie/geschichte/christoph-blumhardt/100-todestag-christoph-blumhardt.html

(Bild: Ev. Akademie Bad Boll)

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