Kurznews
Landkreis Göppingen - Arbeitslosigkeit im Juli leicht gestiegen

30.07.2020 11:55 Uhr

Anstieg der Arbeitslosigkeit schwächt sich ab - Arbeitslosenquote stieg dennoch auf 4,7 Prozent
5 894 offene Arbeitsstellen waren gemeldet/ 9 338 Anzeigen zu Kurzarbeit seit März

Die Arbeitslosigkeit ist im Juli im Bezirk der Agentur für Arbeit Göppingen mit den Landkreisen Esslingen und Göppingen leicht gestiegen: Insgesamt waren im vergangenen Monat 21 117 Frauen und Männer ohne Arbeit. Das ist ein Plus im Vergleich zu Juni um 348 Personen oder 1,7 Prozent. Gegenüber Juli 2019 waren 6 361 Menschen mehr arbeitslos gemeldet (plus 43,1 Prozent).//Der Vorjahresvergleich verdeutlicht das Ausmaß der strukturellen und corona-bedingten Veränderungen. Die Arbeitslosenquote, bezogen auf alle zivilen Erwerbspersonen, stieg von 4,6 Prozent im Juni auf jetzt 4,7 Prozent (Juli 2019: 3,3 Prozent).

Von allen Arbeitslosen im Agenturbezirk gehörten 11 586 Personen der Arbeitslosenversicherung an und wurden von der Arbeitsagentur betreut.
9 531 Personen waren in der Grundsicherung gemeldet und wurden von den Jobcentern in den beiden Landkreisen Esslingen und Göppingen betreut.
Für die Monate März bis Juli liegen rund 9 340 Anzeigen von Betrieben oder Betriebsabteilungen zu Kurzarbeit vor. Davon könnten bis zu 156 600 Arbeitnehmer betroffen sein.

„Der Arbeitsmarkt zeigt auch im Juli starke Einschnitte. Corona-Pandemie, Strukturwandel und Digitalisierung werden Unternehmen, aber auch meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter weiter fordern. Viele der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, die sich in den letzten Wochen arbeitslos gemeldet haben, müssen die Zeit nutzen, um ihre Qualifikation an die neuen Anforderungen anzupassen. Denn mit Corona hat sich der Strukturwandel am Arbeitsmarkt beschleunigt, andere Kenntnisse werden gefragt sein. Das zeigt auch der Blick auf die Struktur der Arbeitslosen: Immer mehr Facharbeiter, Spezialisten und Experten brauchen eine berufliche Weiterentwicklung gegebenenfalls auch eine Neuorientierung. Eine der Herausforderungen der kommenden Monate wird sein: Frauen und Männer, die ihren Arbeitsplatz verloren haben, in neue, sich verändernde Jobs zu vermitteln. Im Juli haben Arbeitgeber wieder deutlich mehr freie Stellen gemeldet, das Niveau der Vorjahre ist aber noch lange nicht erreicht. Die Wirtschaftstätigkeit und damit auch auf die Nachfrage der Betriebe nach Arbeitskräften ist schwächer als ich es in den Jahren meines Hierseins erlebt habe“, fasst Thekla Schlör, Leiterin der Göppinger Arbeitsagentur, die Entwicklung am Arbeitsmarkt in der Region zusammen.

Schlör wird nach fast 3 Jahren in den Landkreisen Esslingen und Göppingen zum 1. August in die Zentrale der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg wechseln. Das Thema Arbeitsmarkt wird sie weiter begleiten: Ihre Aufgabe wird die Weiterentwicklung der Kernaufgaben der Bundesagentur für Arbeit als Vermittlungs- und Beratungsagentur und damit auch die Fachkräftesicherung sein. Außerdem wird sie Mitglied im Bund-/ Länderausschuss, der die Politik berät.

Die Entwicklung der Arbeitslosigkeit in den beiden Landkreisen

Landkreis Göppingen:
Im Landkreis Göppingen waren im Juli insgesamt 7 402 Menschen arbeitslos gemeldet. Das waren sechs mehr (plus 0,1 Prozent) als im Juni, und 2 390 (plus 47,7 Prozent) mehr als im Vorjahr.
Der Landkreis Göppingen verzeichnete eine Arbeitslosenquote von 5,1 Prozent (Geschäftsstelle in Göppingen: 5,1 Prozent; Geschäftsstelle in Geislingen: 5,4 Prozent). Im Vorjahr lag sie bei 3,5 Prozent.

Landkreis Esslingen:
Im Landkreis Esslingen waren im Juli insgesamt 13 715 Menschen arbeitslos gemeldet. Das sind 342 Personen oder 2,6 Prozent mehr als im Juni, und 3 971 (plus 40,8 Prozent) mehr als im Vorjahr.
Die Arbeitslosenquote betrug 4,4 Prozent (Esslingen: 4,7 Prozent; Kirchheim: 4,5 Prozent; Leinfelden-Echterdingen: 4,0 Prozent und Nürtingen: 4,2 Prozent).
Im Juli 2019 lag sie bei 3,2 Prozent.


Entwicklung der Arbeitslosigkeit bei den Personengruppen
Im Juli waren 279 Jugendliche unter 20 Jahrenarbeitslos gemeldet. Das waren 13 Personen oder 4,5 Prozent weniger als vor einem Monat, aber 59 Personen oder 26,8 Prozent mehr als vor einem Jahr.

Bei den jungen Menschen unter 25 Jahrenwaren es 2 238 Arbeitslose, 42 oder 1,9 Prozent mehr als im Vormonat, und 755 Personen oder 50,9 Prozent mehr als im Juli 2019.

Die Zahl der 50-jährigen und älteren Arbeitslosenist im Vergleich zu Juni um 97 (plus 1,4 Prozent) auf 6 799 Personen gestiegen. Das waren 1 684 Personen oder 32,9 Prozent mehr als im Juli 2019.

4 657 Menschen waren im Juli seit mindestens einem Jahr bei der Agentur für Arbeit und den Jobcentern arbeitslos gemeldet und galten damit als _langzeitarbeitslos_. Das waren 149 Personen (plus 3,3 Prozent) mehr als im Vormonat, und 999 (plus 27,3 Prozent) mehr als im Vorjahresmonat.

Die Zahl der arbeitslosen schwerbehinderten Menschen nahm um 14 Personen (plus 1,4 Prozent) zu und lag bei 1 015 Personen. Im Vergleich zum Vorjahresmonat waren 144 schwerbehinderte Menschen mehr arbeitslos gemeldet (plus 16,5 Prozent).

Unterbeschäftigung
Die Unterbeschäftigung, die neben der Zahl der Arbeitslosen auch Personen in arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen und kurzfristiger Arbeitsunfähigkeit berücksichtigt, ist gegenüber dem Vormonat um 490 Personen (plus 1,9 Prozent) gestiegen. Insgesamt lag die Unterbeschäftigung im Juli bei 26 218 Personen. Das waren
5 521 (plus 26,7 Prozent) mehr als vor einem Jahr.

Angebot an Arbeitsstellen
Im Bezirk der Agentur für Arbeit Göppingen waren im Juli 5 894 Stellen beim gemeinsamen Arbeitgeber-Service der Agentur für Arbeit und der Jobcenter zur Besetzung gemeldet. Gegenüber Juni sind das 164 Stellen mehr (plus 2,9 Prozent). Im Vergleich zum Vorjahr gab es 4 449 Stellen (minus 43,0 Prozent) weniger. Insgesamt wurden 1 686 Stellen neu gemeldet. Das waren 400 (plus 31,1 Prozent) mehr als im Juni, aber 770 (minus 31,4 Prozent) weniger als im Vorjahresmonat.

Ausbildungsstellenmarkt
Seit Beginn des Berufsberatungsjahres im Oktober letzten Jahres wurden 5 366 Berufsausbildungsstellen gemeldet, 7,6 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum. Die Bewerberzahlen sind mit 4 401 als Zwischenstand 4,8 Prozent niedriger als im Vorjahr.

„Die Zahl der bei uns gemeldeten Ausbildungsplätze lag bereits seit Oktober 2019 unter der Zahl der Vorjahre - ein Anzeichen der strukturellen Veränderungen, die sich auch am Ausbildungsmarkt bemerkbar machten. Wie jetzt die Corona-Pandemie auf den Ausbildungsmarkt einwirkt, lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht verlässlich sagen. Wir hoffen aber und raten den Unternehmen, auch in der Krise an der Ausbildung im eigenen Haus festzuhalten und sich so die Fachkräfte der Zukunft zu sichern. Denn nach der Krise ist vor dem Fachkräftebedarf“, rät Schlör. Es gibt auch in diesem Jahr noch viele freie Ausbildungsstellen, Betriebe freuen sich über Bewerbungen. Wer noch im Herbst in eine Ausbildung einsteigen möchte, hat gute Chancen. Die Berufsberater bieten auch in den Sommerferien ihre Hilfe an.


Zahl der Kurzarbeiter und kurzarbeitenden Betriebe
Die Zahlen zur angezeigten, also geplanten Kurzarbeit liegen der Agentur für Arbeit von März bis Juni als addierte Werte vor. Insgesamt zeigten in diesen vier Monaten 9 338 Betriebe oder Betriebsabteilungen Kurzarbeit für 156 618 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer an.

Im Landkreis Göppingen waren es 3 060 Betriebe oder Betriebsabteilungen mit 54 331 Beschäftigten.
Im Landkreis Esslingen waren es 6 278 Betriebe oder Betriebsabteilungen mit 102 287 Beschäftigten.

„Die Anzeigen für konjunkturelle Kurzarbeit gehen in den letzten beiden Monaten deutlich zurück, Kurzarbeit bleibt aber auf einem sehr hohen Niveau. Sie leistet einen wesentlichen Beitrag zur Stabilisierung des Arbeitsmarktes in beiden Landkreisen“, so Schlör. „Wir spüren auch, dass sich insbesondere in den Industriebetrieben nicht nur die Folgen der Corona-Pandemie, sondern auch die strukturellen Veränderungen bemerkbar machen“. Da die Betriebe bei der Anzeige von Kurzarbeit meist den vollen Zeitraum von zwölf Monaten ausschöpfen und ihre Meldung schon zu Beginn der Krise geschickt haben, stagniert die Zahl der Anzeigen auf einem hohen Niveau.

Anzeigen bilden ab, ob und in welchem Umfang Betriebe Kurzarbeit planen. Erst wenn die Löhne abgerechnet sind und der Antrag bei der Bundesagentur für Arbeit gestellt wurde, zeigt sich, in welchem Umfang tatsächlich kurzgearbeitet wurde.

(Quelle: Agentur für Arbeit Göppingen)

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