Kurznews
Lk Göppingen - Beginn des neuen Schuljahres

10.09.2020 14:10 Uhr

Am kommenden Montag beginnt in den drei Landkreisen Göppingen, Heidenheim und Ostalbkreis, die zum Schulamtsbezirk Göppingen gehören, für rund 50.000 junge Menschen der Unterricht an den 235 öffentlichen und 16 privaten Grund-, Werkreal-, Real- und Gemeinschaftsschulen sowie an den Sonderpädagogischen Bildungs- und Beratungszentren. Das kommende Schuljahr steht ganz im Zeichen der Sicherstellung bestmöglicher schulischer Bildungsangebote unter Pandemiebedingungen.

Die Zahl der Kinder, die eingeschult werden, ist gegenüber den Vorjahren nahezu gleich geblieben. Insgesamt können 5717  (Vorjahr: 5712) neue Erstklässler begrüßt werden. Von den ebenfalls zum Vorjahr kaum veränderten 5897 Anmeldungen für die Klassenstufe 5 entfallen 40,08 % auf die Gymnasien, 35,58 % auf die Realschulen, 14,25 % auf die Gemeinschaftsschulen und 5,53 % auf die Werkrealschulen. Damit sind bei einer zum Vorjahr nahezu identischen Schülerzahl auch die Übergangsquoten auf die einzelnen Schularten beinahe unverändert geblieben (Schwankungen unter 1 %).

"Bereits in den vergangenen Jahren konnten wir den hohen Personalbedarf immer nur knapp decken. Diese Entwicklung zeigt im beginnenden Schuljahr verstärkt durch die Corona-Epidemie gravierende  Auswirkungen an fast allen Schulstandorten“, führt Schulamtsleiter Jörg Hofrichter aus. Hinzu kommen Pensionierungen und ein äußerst hoher Anteil teilzeitbeschäftigter Lehrkräfte. Die Personalausstattung der meisten Schulen ist ohnehin sehr knapp bemessen. Durch Mangel auf dem Bewerbermarkt kann kaum Ersatz geschaffen werden. Daher treffen die pandemiebedingten Ausfälle auf eine ohnehin labile Unterrichtsversorgung. Daher besteht die Herausforderung für das Schulamt auch noch am Schuljahresbeginn darin, die Unterrichtsversorgung in den Mangelbereichen und an den Schulen mit besonderem Bedarf sicherzustellen. Um die Schulen für die anstehenden Aufgaben entsprechend personell auszustatten, konnte das Staatliche Schulamt Göppingen bislang 176 neue Lehrkräfte einstellen.

Prozesse der regionalen Schulentwicklung sind in den drei Landkreisen fast überall abgeschlossen. Dem Schulamt sind keine anstehenden Schulstandortentscheidungen mehr bekannt.

Die in den letzten Jahren aufgebauten inklusiven Bildungsangebote für den gemeinsamen Unterricht behinderter und nicht behinderter Kinder sind dennoch leicht angewachsen und werden auch im Schuljahr 2020/2021 so weit möglich fortgeführt.

Für Kinder ohne Deutschkenntnisse stehen insgesamt 92 Vorbereitungsklassen (VKL) zur Verfügung, 2 mehr als im Vorjahr.

Insgesamt wird das kommende Schuljahr 2020/2021 vor allem durch die Sicherung der Unterrichtsangebote geprägt sein und im Fokus der Arbeit der Schulen und der Schulverwaltung stehen: "Aktuell geht es vor allem darum, die Schulen quantitativ mit Lehrkräften auszustatten, Ausfälle auszugleichen und den Unterricht erst einmal grundsätzlich sicher zu stellen. Dazu ist ebenfalls notwendig, an allen Schulen die Hygienevorschriften und die infektionsvorbeugenden Maßnahmen umzusetzen. Darüber hinaus wird es die Hauptaufgabe der Lehrkräfte und des Schulamts in diesem Schuljahr sein, die Förderung aller Schülerinnen und Schüler, der leistungsstärkeren wie auch der leistungsschwächeren trotz der Ausfälle im vergangenen Schuljahr zu gewährleisten", so Hofrichter. Das oberste Ziel ist es, die Schülerinnen und Schüler trotz der bestehenden Herausforderungen weiterhin bestmöglich zu fördern, zu unterstützen und zu guten Schulabschlüssen zu führen. Es gilt nun, entstandene Nachholbedarfe auszugleichen und den im vergangenen Schuljahr seit März mehrfach unterbrochenen und veränderten Schulbetrieb wieder zu konsolidieren.

"Diese Förderung soll im regulären Unterricht wie auch mit den zusätzlichen Poolstunden erfolgen, welche zum Beispiel in der Realschule in den vergangenen Jahren erheblich ausgebaut wurden. In den einzelnen Schularten können die in den zurückliegenden Jahren entwickelten vielfältigen Konzepte zur individuellen Förderung der Schülerinnen und Schüler genutzt werden, die eine wertvolle Hilfestellung bieten", teilt hierzu das Kultusministerium mit.

Verstärkt nehmen die Schulen, unterstützt vom Schulamt ebenso wie vom Zentrum für Schulqualität und Lehrerbildung, die Digitalisierung von Unterricht in den Blick. Hierbei wurden an vielen Standorten die bereits begonnen Entwicklungsprozesse in den vergangenen sechs Monaten unter großer Anstrengung beschleunigt vorangetrieben. Das Staatliche Schulamt wird die Schulen besonders intensiv bei der Ausgestaltung der Maßnahmen zum Präsenzunterricht unter Pandemiebedingungen sowie zum Fernlernunterricht begleiten.

Die Schulen im Schulamtsbezirk haben zur Sicherstellung bestmöglicher Bildungsangebote mit großer Einsatzbereitschaft und hohem Engagement in den vergangenen Monaten sowie über die Schulferien hinweg an ihren Konzepten und veränderten Stundenplänen gearbeitet.

Infobox "Lehrermangel"

Das Thema fehlender Bewerberinnen und Bewerber für die vielen freien Lehrerstellen beschäftigt selbstverständlich alle und schlägt sich auch in der öffentlichen Berichterstattung in den Medien nieder. Die teilweise dramatischen Situationen werden unter dem Begriff "Lehrermangel" zunehmend und häufig diskutiert. Hierzu teilen das Kultusministerium sowie die personalführende Stelle, die alle Statistiken hat (Regierungspräsidium in Stuttgart, Abteilung 7 Schule und Bildung, Referat 73 Lehrereinstellung) immer wieder Zahlen mit, wie viele Lehrkräfte im Land fehlen. Demgemäß werden wir im Staatlichen Schulamt Göppingen von den Medien oft angefragt, wie viele Lehrkräfte in dieser konkreten Kommune oder an jener konkreten Schule fehlen würden. Wir haben diese Zahl aber nicht und können diese auch gar nicht generieren. Allerdings möchten wir hier darstellen, warum dies so ist und wie wir mit dem Ausfall von Lehrkräften umgehen.

Die o.g. Behörden KM und RPS zählen vereinfacht gesagt sogenannte Deputate. Ein Deputat ist ein voller Lehrauftrag, der im Staatshaushaltsplan aufgeführt, also mit Geld hinterlegt ist. Im Saldo kann dort statistisch mitgeteilt werden, wie viele Deputate nicht als Gehalt ausbezahlt werden, aber eigentlich mit Lehrkräften besetzt sein sollten. Hinzu kommen auch statistische Abfragen wie z.B. "USO", eine Abfrage zur Unterrichtssituation zu einem bestimmten Stichtag. Daraus entsteht die Zahl, die beispielsweise das KM im Vorjahr mitgeteilt hat.

Im Staatlichen Schulamt arbeiten wir aber nicht mit tagesscharfen Statistiken, sondern fortlaufend im Prozess, indem wir z.B. bei Ausfall einer Lehrkraft wegen Schwangerschaft/Elternzeit sofort Maßnahmen ergreifen und Ersatz suchen. Außerdem arbeiten wir nicht mit Deputaten, sondern mit "Köpfen", also echten Menschen.

Auf einem Deputat können bis zu vier Teilzeitbeschäftigte oder eben nur eine Vollzeitlehrkraft arbeiten. Beispielsweise kann u.U. eine erkrankte Lehrkraft in der o.g. Statistik als vorhandene Lehrkraft zählen. Für uns ist sie aber ein Ausfall. Umgekehrt fehlt noch lange keine Lehrkraft, wenn eine Teilzeitlehrkraft mit 7 Stunden zu ersetzen ist. Diesen versuchen wir dann mit befristeten Verträgen vor Ort zu ersetzen oder bedienen uns der teilweise noch vorhandenen Ausfallreserve oder bitten eine Teilzeitkollegin aus dem gleichen Kollegium, ihr Deputat zeitweilig aufzustocken. In dramatischen Ausfallszenarien (mehrere Lehrkräfte in einem Kollegium fallen aus) ordnen wir Lehrkräfte von anderen Schulen ab, legen Gruppen zusammen (z.B. im Sportunterricht) oder kürzen die Stundentafel in bestimmten Bereichen. Auch die Bildung von größeren Klassen (eine Klasse mit 29 Schülern statt zwei Klassen mit 15 und 14 Schülern) führt sofort dazu, dass dort keine Lehrkraft "fehlt". Auch die Anwerbung von Pensionären und Quereinsteigern gehört zu unseren Maßnahmen. Wir haben also keine Statistik, "wie viele Lehrkräfte fehlen an genau dieser Schule", sondern wir bemühen uns, jeden Ausfall sofort zu ersetzen oder durch die o.g. Maßnahmen aufzufangen. Allerdings haben wir die o.g. Maßnahmen in früheren Jahren immer erst spät ergreifen müssen. Mittlerweile starten wir an vielen Schulen bereits mit diesen Maßnahmen in das Schuljahr, so dass jeder weitere Bedarf oder Ausfall dann kaum mehr aufgefangen werden kann. Letzte Möglichkeit bleibt dann nur noch die Einkürzung der Stundentafel in bestimmten Bereichen oder Fächern und der planmäßige Unterrichtsausfall.

Zunächst können wir jedoch an vielen Schulen im Schulamtsbezirk am Montag, 14.09.2020 mit einer im Direktbereich gesicherten Versorgung ins neue Schuljahr 2020/2021 starten.

(Quelle: Staatliches Schulamt Göppingen)

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