Kurznews
Deggingen - Dramatische Flucht – gelungene Integration

31.03.2021 16:23 Uhr

Dramatische Flucht – gelungene Integration

Die BruderhausDiakonie begleitet seit fünf Jahren junge Geflüchtete. Viele von ihnen kamen ohne Eltern. Ein Rückblick auf die Zeit von 2015 bis heute.

Nach den Sommerferien 2015 ging es Schlag auf Schlag. Die Flüchtlingszahlen stiegen europaweit, und Bundeskanzlerin Merkel sprach sich für eine unbeschränkte Aufnahme von Geflüchteten aus Syrien, Afghanistan, Irak, Iran, Gambia, Nigeria und Eritrea aus.

Mit der Bitte um Hilfe bei der Unterbringung und Betreuung von Unbegleiteten Minderjährigen Ausländern (UMA) wandten sich die Jugendämter neben anderen Trägern auch an die BruderhausDiakonie. Constance Hosp, Bereichsleiterin in der Reutlinger Oberlin-Jugendhilfe der BruderhausDiakonie, sowie die JugendhilfeTeams in Deggingen, Freudenstadt und in weiteren Einrichtungen der Stiftung, nahmen sich Merkels „Wir schaffen das!“ zu Herzen und begannen mit der Arbeit.

Constance Hosp erinnert sich an „verrückte Advents-, Weihnachts- und Neujahrswochen“. Über Nacht mussten neue Dienstpläne erstellt und neue Mitarbeitende eingestellt, musste eine Infrastruktur für Wohnen, Schule und Ausbildung geschaffen werden. Mit vereinten Kräften sorgten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter dafür, dass Jugendliche, die furchtbare Fluchterfahrungen hinter sich hatten, eine neue Heimat in den Wohngruppen der BruderhausDiakonie fanden. „Wir haben mit Traumata gearbeitet, alleine oder mit Therapeuten“, so Markus Seibold, Bereichsleiter Oberes Filstal/Geislingen bei den Jugendhilfen Deggingen der BruderhausDiakonie. Wir mussten kreativ sein beim Vermitteln der Sprache, hatten überall Post-ITs, auf Türen, Griffen, Fenstern, am Spiegel.“
Von November 2015 bis heute wurden in Reutlingen, Nürtingen, Freudenstadt und Deggingen rund zehn Wohngruppen mit über hundert unbegleiteten Geflüchteten aus mehr als zehn Ländern eingerichtet. Nur ein gut ausgebautes Netzwerk des Fachdienstes Jugend, Bildung, Migration der BruderhausDiakonie sowie Kooperationen mit Schulen, Volkshochschulen, Sportvereinen, Therapeuten und Pädagogen ermöglichten ein erfolgreiches Ankommen der jungen Menschen.

„Es ist bemerkenswert, wie wenig sich Ziele, Träume und Wünsche junger Geflüchteter von den jungen Menschen, die hier aufgewachsen sind, unterscheiden, und doch könnten die Ausgangsbedingungen unterschiedlicher nicht sein“, sagt Ulrike Haas, Leitung Geschäftsfeld Jugendhilfe der BruderhausDiakonie. Neben Alphabetisierungs-, Deutsch- und Berufsvorbereitungskursen wurden zahlreiche von der Jugendhilfe initiierte Freizeitprojekte ins Leben gerufen.

„Unsere Jugendlichen lernten Bäcker, wurden Optiker, Bauzeichner, Altenpfleger, Herrenschneider, Köche, Elektriker und vieles andere mehr“, zieht Constance Hosp ein Fazit. Das Zusammenleben in den Wohngruppen, wo verschiedene Welten aufeinanderprallen, ebenso verschiedene Wertvorstellungen sowie unterschiedliche kulturelle und religiöse Identitäten, sind bis heute eine Herausforderung. Hinzu kommen die Fluchtgeschichten der Jugendlichen, schwierige Asylverfahren, Sorgen um die zurückgebliebenen Familien, das Heimweh, Verständigungsschwierigkeiten und die Anforderungen an eine schnelle Integration. Dr. Tobias Staib, Fachlicher Vorstand der BruderhausDiakonie, würdigt die Teamleistung aller Beteiligter: „Die jungen Menschen wurden willkommen geheißen und mit viel Engagement und von ganzem Herzen unterstützt und aufgenommen.“

Im Rückblick auf die vielfältigen Erfahrungen an verschiedenen Standorten der Jugendhilfe fällt vor allem eines auf: Zu einer gelingenden Integration gehört neben Toleranz, Akzeptanz und Offenheit auch der Mut zu kreativen und unkonventionellen Lösungen.



(Quelle & Bild:  BruderhausDiakonie - Stiftung Gustav Werner und Haus am Berg)

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