Kurznews: Uhingen - Estlands Nationalteam trainiert in Uhingen und holt 2 Medaillen

Kurznews

Uhingen - Estlands Nationalteam trainiert in Uhingen und holt 2 Medaillen

09.02.2024 14:37 Uhr

Das hat es in Uhingen bisher noch nicht gegeben: Die besten Köche
eines Landes bereiteten sich in Uhingen für die Intergastra auf die
Olympiade der Köche vor. Das Team aus Estland verbrachte einige Tage im
Kreis Göppingen und nutzte die Großküche des Uditoriums für die
Vorbereitungen. „Das hat man nicht alle Tage“, staunt auch Uhingens
Bürgermeister Matthias Wittlinger. Am Ende springen zwei Medaillen für
das Koch-Team heraus.

Köche aus der ganzen Welt hatten Anfang Februar ein Ziel: Bei der 26.
IKA/Olympiade der Köche, die während der Intergastra vom 3. bis 7.
Februar in Stuttgart stattgefunden hat, die Jury von sich, den eigenen
Kochkünsten und den Rezepten aus dem Heimatland zu überzeugen. Bei
diesem Wettbewerb spielte auch die Stadt Uhingen eine gewisse Rolle.
Denn das Nationalteam der Köche aus Estland logierte in Uhingen im Hotel
Ochsen und nutzte im benachbarten Uditorium die Großküche für die
Vorbereitungen.
„Die Küche ist sehr gut, wir haben genügend Platz für unsere
Arbeitsschritte und um uns zu bewegen und ausreichend Stauraum im
Kühlschrank, um unsere Lebensmittel zu lagern“, sagt Taigo Lepik,
Präsident des estnischen Kochverbands, auf Englisch. Und Stauraum ist
für das Team um deren Captain Marko Somer enorm wichtig: Zirka zwei
Tonnen an Fracht machten sich vor Beginn der Intergastra auf den Weg von
Estlands Landeshauptstadt

Tallinn ins zirka 2100 Kilometer entfernte Uhingen. In den zwei
Transportern samt einem Anhänger befanden sich neben notwendigem
Equipment wie Messer, Küchenmaschinen (Vakuumierer, Aufschnittmaschine
und vieles mehr) auch für die typisch estnischen Gerichte notwendige
Zutaten.Und voller Feuereifer legen die Köchinnen und Köche in der
Großküche los, jeder Handgriff sitzt: Gemüse wird geschält,
kleingeschnitten, verpackt und im Kühlschrank gelagert. Das gleiche gilt
für Fisch und Fleisch. Denn bei der Intergastra bleibt keine Zeit für
vorbereitende Arbeiten. Da müssen die Teams abliefern. Und wie sie
abliefern, das trainieren die Frauen und Männer ebenfalls in der
Großküche des Uditoriums, studieren jeden einzelnen Schritt bei der
Zubereitung der estnischen Gaumenfreuden ein. 

Insgesamt traten zirka 1200 Köchinnen und Köche aus 55 Nationen bei der
Olympiade der Köche in Stuttgart an. Und für das Team aus Estland
stellte die Erfahrung eine Premiere dar: Erstmals nahm das Land an der
IKA/Olympiade der Köche teil. Sechs Nationalmannschaften traten immer
gegeneinander an. Am 3. Februar konkurrierten die estnischen Köchinnen
und Köche mit den Teams aus Malaysia, Tschechien, der Schweiz, Hongkong
sowie Schweden und servierten ein 3-Gänge-Menü: unter anderem eine
Walnussforellenterrine, Langustenmousse Buchweizenrolle mit Frischkäse
und Forellenbeeren sowie Hirsch-Buchweizen-Ragout,
Wildpilzkrokette mit Speck, schwarze Johannisbeere und abschließend
weiße Schokoladen-Brombeer-Ganache. Am 6. Februar galt es, gegen die
gleichen Konkurrenten ein 7-Gänge-Menü zu kreieren sowie eine Skulptur
aus Schokolade zu zaubern: ein filigraner Schwan entstand in mühsamer
Handarbeit.

„Das ist kein Zuckerschlecken“, weiß Susanne Weißkopf aus langjähriger
Erfahrung als Gastronomin. Sie hatte auch dafür gesorgt, dass das Team
aus Estland, das aus hochdekorierten Köchen besteht, nach Uhingen
gekommen ist. Die Vorsitzende im Kreisverband des Deutschen Hotel- und
Gaststättenverbands (DEHOGA) ist zugleich im Landesverband
Baden-Württemberg im Vorstand aktiv und daher bestens mit der
Intergastra vertraut. Denn der DEHOGA organisiert die Leitmesse für die
Hotellerie und Gastronomie in Stuttgart. „Daher weiß ich, dass für die
Teams aus aller Herren Länder nach geeigneten Räumen gesucht wird“, sagt
Susanne Weißkopf. 

Während Unterbringungsmöglichkeiten kein Problem sind, sieht es mit
adäquaten Räumen zur Vorbereitung anders aus: Ein großes Küchenteam kann
sich auf die Internationale Kochkunst-Ausstellung (IKA)/Olympiade der
Köche schließlich nicht in einer kleinen Kochnische vorbereiten.
„Glücklicherweise haben wir im Uditorium eine geeignete Küche, die den
Anforderungen gerecht wird“, fügt Susanne Weißkopf hinzu, die sich mit
Herzblut um ihre Gäste kümmert. Denn: „Das ist eine tolle Werbeaktion,
um die Stadt Uhingen weit über die Grenzen des Landkreises, des Landes
und der Bundesrepublik bekannt zu machen.“ 

Und diese machten im Hotel Ochsen, wo sie einquartiert waren, ganz große
Augen wegen eines kleinen Details über einen bedeutsamem Mann aus ihrem
estnischen Heimatland: An einer Wand hängt ein Bild von Erki Nool,
mehrfacher Medaillengewinner im Zehn- und Siebenkampf bei Europa- und
Weltmeisterschaften sowie olympischen Spielen. „Er war früher immer mal
wieder bei uns und mittlerweile sind wir befreundet“, verrät Susanne
Weißkopf. Uhingen und Estland haben demnach schon eine langjährige
Tradition miteinander. Und der jüngste Höhepunkt war also der Besuch des
estnischen Nationalteams der Köche. „Das kommt nicht alle Tage vor“,
weiß auch Bürgermeister Matthias Wittlinger, der die Gäste der Stadt im
Uditorium begrüßt hat. Nicht nur der Besuch sei eine Premiere, sondern
auch die Tatsache, dass er nun Grußworte nach fast 20 Jahren im Amt als
Bürgermeister in englischer Sprache halten darf. „Ich hoffe, dass wir
Ihnen sehr gute Rahmenbedingungen für ihren Wettbewerb zur Verfügung
stellen können“, sagt er eingangs und skizziert in einigen wenigen
Sätzen die Stadt an der Fils, die es dank Automobil- und Werkzeugbau
sowie Dank Biathlet Simon Schempp zu einer gewissen Berühmtheit
geschafft hat. Eine Kocholympiade sei eine spannende Möglichkeit für
Profis, ihr Talent zu zeigen und sich mit anderen kulinarischen Experten
zu messen. Wer ein Talent habe, übe es gerne aus und möchte seine
Fähigkeiten immer weiter verbessern und steigern. Gut zu sein sei dabei
relativ einfach, „zu den Besten zu gehören dagegen umso schwieriger“. 

Es erfordere viel Disziplin und noch mehr Training, seine Fähigkeiten
auf so hohem Niveau zu halten und weiter auszubauen. „Mit der Teilnahme
an der Koch-Olympiade haben Sie bereits eine große Auszeichnung
erreicht. Sie vertreten Ihre Nation im Wettbewerb. Für mich ist das
etwas ganz Besonderes.“ Zugleich lobt Matthias Wittlinger Susanne
Weißkopf, die sich außerdem im Gemeinderat der Stadt Uhingen engagiert.
„Sie hat nicht nur Weitblick und Sachverstand, sie zeichnet auch aus,
dass ihr Herz am rechten Fleck sitzt und sie bei ihrer Arbeit nie den
Menschen aus den Augen verliert.“ Das estnische Nationalteam der Köche
und deren Begleiter seien bei einer sehr aktiven, rührigen und
menschlichen Gastgeberin untergekommen. Die Bestätigung folgte prompt:
„Uns gefällt es sehr hier“, sagt Taigo Lepik. Das wirke sich auch auf
das Miteinander auf: „Wir haben einen tollen Teamspirit“, betont der Gast. 

Und als gute Gastgeber überreichte Uhingens Bürgermeister den Gästen
kleine Geschenke als Erinnerung an den Aufenthalt in Uhingen: Stifte und
Handtücher mit dem Wappen der Stadt sowie Pralinen im Stadt-Design.
Zudem lud er das Team aus Estland ein, sich im goldenen Buch der Stadt
Uhingen einzutragen und diesen historisch erstmaligen Moment für die
Nachwelt festzuhalten. Doch auch die Küchencrew um Taigo Lepik und
Team-Captain Marko Somer kam nicht mit leeren Händen. Sie überreichten
Matthias Wittlinger als Dank Edelpralinen und das erste
Estland-Rezeptbuch mit typisch estnischen Speisen. Und nun, wie ist denn
eigentlich nun das Essen aus Estland, was landet bei den Menschen auf
den Tellern? Das verriet Taigo Lepik im Smalltalk mit Matthias
Wittlinger anhand eines prominenten Beispiels – dem estnischen
Präsidenten Alar Karis. Denn seit 2014 ist Taigo Lepik der Küchenchef im
Büro des Präsidenten.

„Er ist eigentlich nicht wählerisch, weshalb ich in der Zubereitung der
Speisen mehr Freiheiten habe“, verrät der Este. So bereitet er typisch
estnische Gerichte vor, die sich stark an der Saison orientieren: Fisch,
Fleisch, Wild, Kartoffeln und Gemüse. Die Esten haben eine besondere
Beziehung zum Essen; wichtig ist es ihnen zu wissen, woher die
Lebensmittel kommen. Regionalität spielt eine große Rolle. Im Spätsommer
und Herbst sammeln viele Esten Beeren und Pilze. Hinzu kommen frisch
gepflückte Äpfel, Wurzelgemüse und Wild wie Elch. Durch Einlegen und
Einmachen werden diese Lebensmittel konserviert und dann im Winter
gegessen. Doch es kommt nicht nur allein auf das Zubereiten der Speisen
an, erklärt Taigo Lepik dem Uhinger Bürgermeister im englischsprachigen
Smalltalk: „Das Auge isst auch mit; wenn das Essen nicht gut aussieht,
schmeckt es auch nicht so gut.“

Und wie Estland schmeckt, das haben die preisgekrönten Köchinnen und
Köche, in deren Reihen sich auch Konditoren befinden, auf der
Intergastra gezeigt. Am ersten Wettkampftag überzeugten sie die Jury und
holten Bronze; am zweiten Wettkampftag übertrafen sie sich und freuten
sich über Silber. Dementsprechend glücklich ist das Team aus Estland –
aber auch erschöpft nach der Intergastra. „Wir sind sehr zufrieden, das
Team ist super“, lobt Taigo Lepik, bevor es Mitte der Woche zurück in
die estnische Heimat ging. „Einen kleinen Anteil an dem Erfolg“, fügt
Matthias Wittlinger schmunzelnd hinzu, „dürfte die Stadt Uhingen als
Gastgeber beigesteuert haben. 

Hintergrund:

Estland und Deutschland haben mehr gemeinsam, als man meinen könnte.
Beide Länder haben den Euro als Zahlungsmittel und bestehen in ihrer
jetzigen Form nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion seit knapp über 30
Jahren. Estland ist ein nordeuropäisches Land, das an die Ostsee und den
Finnischen Meerbusen grenzt und früher zur Sowjetunion gehörte. Die
abwechslungsreiche Landschaft des Staatsgebiets, das auch über 1.500
Inseln umfasst, ist durch felsige Strände, Wälder mit altem Baumbestand
und Seen geprägt. Im ganzen Land finden sich zahlreiche Schlösser,
Kirchen und Hügelfestungen. Die Hauptstadt Tallinn ist für ihre gut
erhaltene Altstadt sowie ihre Museen und den 314 Meter hohen Fernsehturm
mit Aussichtsplattform bekannt. Das Team aus Estland wird von Marko
Somer als Kapitän angeführt. Weitere Mitglieder sind Merle Jakobson,
Anna Shaluhina, Maksim Ivanuskin, Kirill Beljakov, Denis Golik, German
Macharashvili, Lauri Ööpik, Karl Markus Lehtoja und Koit Uustalu.
Unterstützt werden sie von einem Support-Team mit mehreren Mitgliedern,
das von Taigo Lepik, Külli Värnik und Maru Metspalu geleitet wird.


(Quelle/Bilder: Mitteilung Stadt Uhingen)


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