02.07.2026 16:42 Uhr
[H2Jean-Marie Mayer übernimmt zum 1. Juli die Leitung des StadtmuseumsDer 29-Jährige zeigt, wie spannend die Vergangenheit sein kann. „Ich wollte schon als Kind in einem Museum arbeiten oder ein eigenes Museum haben“, sagt der Uhinger und ergänzt schmunzelnd: „Ich habe aber nichts zum Ausstellen.“ Da fügte es sich, dass die bisherige Museumsleiterin Margit Haas nach zehnjähriger Leitung neue Pfade beschreiten will. „Ich bin happy, dass wir jemanden gefunden haben, der sich sonntags zu den Öffnungszeiten ins Museum setzt, kompetent ist und etwas über Uhingen sagen kann“, sagt Margit Haas. „Ich selbst kenn mich in Uhingens Geschichte nicht so gut aus wie Jean-Marie“, lobt sie ihren Nachfolger.
Doch wer ist der junge Mann, dessen Augen zu leuchten beginnen, wenn er über das Leben früherer Generationen in seiner Heimatstadt spricht? Jean-Marie Mayer wuchs in Uhingen auf, fiel schon in Kindheitstagen durch Wissbegierde auf, die seine Eltern bestmöglichen versuchten zu stillen, und studiert derzeit in Tübingen Geschichte und Ur- und Frühgeschichte. Und er ist Feuer und Flamme für das Vergangene. Während seines Bundesfreiwilligendienstes nach dem Abitur arbeitete er im Kreisarchiv auf Schloss Filseck. Mit dem Kreisarchäologen Dr. Stefan Lang sowie dem damaligen Kreisarchäologen Reinhard Rademacher war er bei Ausgrabungen dabei, bereitete die Funde auf, stöberte im Archiv - beispielsweise in den Akten der Heimatvertriebenen. „Es war sehr erschütternd zu erfahren, wie viele Menschen vertrieben wurden.“
Dass Jean-Marie Mayer der Nachfolger von Margit Haas wird, ist mehreren glücklichen Zufällen zu verdanken: Im Zuge der ersten urkundlichen Erwähnung Uhingens in einem Dokument aus dem Jahr 1275 entstand eine neue Stadtchronik. Mit Unterstützung des Kreisarchivs konnte auch Jean-Marie Mayer als Autor gewonnen werden. Er beschäftigte sich dafür intensiv mit der Geschichte Uhingens von der Napoleonischen Zeit bis in die Gegenwart. Seine beiden Beiträge machen gut ein Drittel des Buches „Uhingen – Geschichte einer Stadt“ aus. Dabei erhielt er Unterstützung von Carola Eberhard: „Ein gutes Archiv steht und fällt mit guter Archivarin“, lobt er Carola Eberhard.„Sie wusste, wo ich die nötigen Informationen finden konnte und gab wichtige Tipps.“
Die Stadtarchivarin war es denn auch, die Jean-Marie Mayer bei der Nachfolge für Margit Haas ins Spiel brachte. Als diese Anfang des Jahres der Uhinger Stadtarchivarin eröffnet hatte, die Leitung des Stadtmuseums abzutreten, fiel Carola Eberhard sofort der Uhinger ein, der nun seinen Kindheitstraum verwirklichen kann. Und im Uhinger Stadtmuseum gibt es Einiges zu entdecken, was Margit Haas zu verdanken ist. „Früher war das Museum vollgestopft, dann haben wir es mit Carola Eberhard neukonzipiert und präsentieren seither nur noch die ganz besonderen Stücke“, sagt Margit Haas. „Unser Stadtmuseum ist in den vergangenen Jahren zu einem weiteren Schmuckstück in Uhingen geworden“, lobt Bürgermeister Matthias Wittlinger das Engagement von Margit Haas und dankt ihr für ihren Einsatz. Was für beeindruckende Schätze das Stadtmuseum birgt, war unter anderem im vergangenen Jahr zu sehen, als das 750-Jahr-Jubiläum gefeiert wurde und anlässlich dafür eine Sonderausstellung konzipiert wurde.
„Sie war sehr gut besucht“, schwärmt Uhingens Hauptamtsleiter Markus Malcher, „was ohne das Engagement unserer bisherigen Museumsleiterin und unserer Stadtarchivarin nicht möglich gewesen wäre.“
Dazu zählen Funde aus der Jungsteinzeit und der Zeit der Alemannen. „Die Exponate aus der alemannischen Zeit sind so bedeutsam, dass sie dem Landesmuseum Stuttgart gehören“, sagt Carola Eberhard. „Sie sind eine Leihgabe für uns in Uhingen“. Schwerter und Schmuck aus der Zeit der Alemannen, Zeugnisse der mittelalterlichen Glasbläserei im Nassachtal, filigran gefertigte Perlentäschlein, Alltagsgegenstände aus dem bäuerlichen Leben und noch viel mehr zeugen vom Leben der Menschen im früheren Uhingen. „Diese Exponate machen die Geschichte unserer Vorfahren lebendig“, sagt Carola Eberhard - und hofft, dass möglichst viele Menschen den
Weg ins Stadtmuseum finden. „Ob Römer oder Alemannen oder heute - es gab Hochwasser, Seuchen, Krieg“, sagt Jean-Marie Mayer. „Das Leben der Menschen früher waren unserem gar nicht so unähnlich.“
Info: Das Uhinger Stadtmuseum befindet sich seit 40 Jahren im Berchtoldshof, der einst ein Bauernhof war. In der danebenstehenden Scheune befindet sich heute die Stadtbücherei. Der Zugang zum Stadtmuseum ist zwischen den Gebäuden im Seiteneingang. Zum 1. Juli erfolgte der Wechsel der Museumsleitung. Das Museum hat in der
Regel jeden ersten Sonntag im Monat von 10.30 bis 13 Uhr geöffnet. Um 10.30 Uhr besteht die Möglichkeit zur Teilnahme an einer kostenlosen Führung ein. Diese sind auch auf Anfrage - während und außerhalb der Öffnungszeiten möglich - Infos unter 07161 / 9380-0. Der Eintritt ins Museum ist frei
(Quelle: Stadt Uhingen)
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